August 2008

Viele Interviewanfragen habe ich in der letzten Zeit abgesagt, weil es

einfach nicht dran war und ich ausprobieren wollte, ob ich für „ein Leben

im Hintergrund“ noch tauge. Während dieser Zeit tauchte ich noch tiefer in

die unterschiedlichen Familienstrukturen ein, passte mich an, lebte mit

und konnte es geniessen.

Als eine Anfrage von der Süddeutschen Zeitung für ein Interview an mich

erfolgte, hatte ich das Gefühl, dass ich nun für etwas Neues bereit sei.

Ich nahm an, und auf der Seite „Geld“ im wirtschaftlichen Bereich

erschien dann ein Artikel mit der Überschrift: „Eine Welt ohne Geld“. Das

freute mich sehr, denn bislang war ich ja immer reduziert worden auf „Mein

Leben ohne Geld“. Die Journalistin Franziska Brüning ging in ihrem Artikel

auch auf andere Gruppen und Sichtweisen ein. Das rundete etwas ab und

passte so in die neuen Gesprächsrunden, die ich mit anderen Menschen

inzwischen überall anrege.

In diesen Gruppen lassen wir uns leiten von dem Augenblick. Das Motto

„Jede kann was, was nicht jeder kann“ führt uns durch ein buntes und

reiches Programm, das jedesmal anders aussieht. Gemeinsamer Schwerpunkt

ist allerdings unser Bemühen, mitzuwirken bei einer positiven

Veränderung des Massenbewusstseins. Wir bestärken uns gegenseitig und

gehen in allen Fragen wohlwollend miteinander um. Jede kann sich äussern,

ohne darüber nachzudenken, ob das Geäusserte gut genug ist oder nicht.

Damit geht ein langersehnter Wunsch von mir in Erfüllung, nämlich ohne

Bewertung jeden dort zu lassen, wo er/sie gerade steht.

Und das wiederum bedeutet eine Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls.

Zu spüren, wie wir alle miteinander verbunden sind und jegliche Konkurrenz

ausschalten können, bedeutet, auch uns selber so anzunehmen, wie wir

sind.

Eine neue Welt ist gerade im Entstehen, oder besser ausgedrückt: Wir

verändern unsere Sichtweise, so dass andere Werte, die bislang

vernachlässigt wurden, ihren Platz einnehmen können. Dabei geht es um

Annahme, Liebe und Miteinander, auch um die Überwindung der Isolation,

des Misstrauens und der Ängste. Es ist eine wunderbare Welt, der Himmel

auf Erden sozusagen.

Und was hat das mit der Aufgabe des Geldes zu tun, könnte jetzt die

Frage lauten. Die anderen Gruppenmitglieder leben alle noch mit Geld und

erfahren denselben Prozess. Für mich bleibt jedoch ein gravierender

Unterschied, denn dadurch dass ich keine Belastungen im Alltag spüre,

dass ich mich absolut frei fühle, sind die Gruppenerfahrungen nichts

Abgehobenes, Einmaliges sondern mein Alltag. Ich muss nicht am nächsten

Tag darüber grübeln, wo ich meine Brötchen herbekomme oder besser: wie ich

mein Geld verdienen kann. Das Gefühl, dass alles zur rechten Zeit am

rechten Ort ist, trägt mich inzwischen. Und so sehe ich die „Neue Welt“:

niemand muss mehr strampeln oder sich verkaufen, um die notwendigen Dinge

für das Leben zu erwerben.

Stattdessen können wir aufgehen in einem liebevollen Miteinander, unser

Herz wieder spüren und eine Buntheit leben, die einfach wundervoll ist.

Herzlich grüsst Heidemarie Schwermer im August 2008

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